Franks Uganda-Tagebuch 2009

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Hier die Uganda-Abenteuer von Frank Bonkowski. Weitere Infos, Bilder und Updates des Teams gibt es auf nichtegal.blogspot.com. Die Sache finanziell unterstützen kann man auf www.global-care.de/spenden.

Mittwoch, 22.04.09
„Warum bilden sie sich ein sie können so schnell fahren?“

Jetzt sitze ich neben Lukas im Flugzeug von Äthiopien nach Frankfurt. Es ist gleich 4 Uhr morgens und wir haben noch knapp drei Stunden vor uns, bis ich meinen Sohn, wie ich es seiner Mama versprochen habe, wieder sicher auf deutschem Boden habe. Und beinahe wären wir, im letzten Moment doch nicht in diesem Flugzeug gewesen.

Als wir sechs Reisende, plus Fahrer Moses, gerade aus einem dieser berüchtigten ugandischen Kreisel fahren, winken uns drei Polizisten rüber. Einer, der Anführer hat eine dieser „Geschwindigkeitsmesserpistolen“ in der Hand und er brüllt Moses an, was er sich den dabei gedacht habe, so schnell zu fahren. So unterwürfig, demütig, wie jetzt habe ich Moses noch nie gesehen. „Ja, Sir, bitte vergeben sie mir!“ Ist das der gleiche Moses, der noch vor zwei Wochen, mit einem Hammer, vier potentielle Vergewaltiger in die Flucht getrieben hat?

„Ich bin nicht zu schnell gefahren,“ wird er uns später erzählen, „aber hier in Uganda hat die Polizei immer Recht!“

Irgendwann steigt der Polizist in den Wagen und erklärt mir, als dem Ältesten anwesenden Weißen, dass er nun den Wagen aus dem Verkehr ziehen wird, weil unser Fahrer schlecht gehandelt hat. „Bitte“, fleht Moses, „meine Gäste werden ihr Flugzeug verpassen!“ Und er hat Recht, wir sind schon jetzt spät dran, eine Fahrt zur Polizei wird zu lange dauern, selbst wenn wir Recht bekommen sollte, was sowieso in diesem Land unmöglich ist.

Irgendwann verschwindet der böse Polizist plötzlich, nachdem er mich noch einmal aufgefordert hat, dafür zu sorgen, dass mein „schlechter Fahrer“ ab jetzt die Geschwindigkeitsbegrenzungen einhält. Ein absoluter Witz, wenn man bedenkt, wie in diesem Land gefahren wird.

Warum hat der Mann unser Fahrzeug letztendlich dann doch verlassen?

Irgendwann hat Moses ihm nach zähen Verhandlungen auf Lugandisch 40.000 Schilling zugesteckt. „Direkt in seine private Tasche!“

Ungefähr 30.- €, nicht viel aber in Uganda ist das das Monatsgehalt eines Lehrers.

Das ist eben auch Uganda und das macht die Arbeit hier manchmal so schwer, diese fiese Korruption. Wo Kleine klein, Arme arm gehalten werden, um sich selber zu bereichern. Darum gibt es die reichen Nobelhütten, die Golfkurse und das Einkaufszentrum fast direkt neben den Slums, wo Menschen verrecken, weil sie sich billige Medikamente nicht leisten können.

Das wird uns mal wieder bewusst an diesem Tag. Während wir im Flugzeug sitzen, stirbt die 12-jährige Jessica, Ankes neues Patenkind, der man gerade, wegen einem Krebsgeschwür ein Bein amputiert hat. Gestern hatte sich Anke noch wagemutig, ohne Helm) auf ein Bola Bola (Motorrad) geschwungen, um Jessica zu besuchen. Jemand ohne die Hilfe des Kinderhilfswerksprogramms wäre garantiert nicht einmal soweit gekommen.

Aber trotz allem gibt es überall Hoffnung. Hier erwacht ein schlafender Riese. Die vielen kleinen Kirchen hier, wie die in Mawanga, die soziale Projekte anfangen, zum Glück noch mit unserer Unterstützung, wie Brunnen, Schulen, Medizinische Versorgung für ihr Dorf. Die Frage, warum keiner mehr in die Kirche kommt, stellt sich hier gar nicht, hier kommt die Kirche und verändert, verschönert, erneuert nach und nach ihr Dorf.

Der alte Opa, auch in Mawanga, der, wie so viele hier, all seine Kinder an AIDS verloren hat, sich aber liebevoll, um seine beiden Enkelinnen kommt. Wenn er stirbt, wird die kleine Kirche hier die Versorgung übernehmen und gerade hat die ältere Sania Mutesi, 12 Jahre alt, wie Jessica, auch einen Paten aus Deutschland bekommen, der diese Versorgung ermöglichen wird.

Maureen (8) und Lillian (3) die beiden HIV infizierten Kinder, die immer mehr aufgetaut sind, als sie sich gestern mit ihren beiden Paten Lukas und Beto angefreundet haben.

Der Kasubi Chor, die zehn jungen Leute, mit denen wir vorgestern Musik machen durften und mit denen sich beim Singen über Gott, über ihre Hoffnung für Uganda für einen Moment der Himmel geöffnet hat. So viel Lebensfreude, so viel Potential. Soviel Hoffnung in eine bessere Zukunft.

Fazit: Veränderung ist möglich! Trotz all der Hindernisse!

Ich habe neulich jemand mit folgendem T-Shirt-Aufdruck gesehen: „Wir verändern gerade die Welt. Wenn du mitmachen möchtest, frag mich bitte wie!“

Uganda haben wir nur zu einem ganz kleinen Teil verbessern können, wenn überhaupt. Aber es hat uns verändert!


Dienstag, 21.04.09
Abschied und Kennenlernen

Heute ist Packen angesagt, dann mal wieder ab auf die lange Flugreise nach Deutschland.

Zuvor aber noch ein Kennenlernen. Maureen (8) und Birte (Beto), Lillian und Lukas, die Kinder und ihre neuen Paten. Lillian (2) kommt ganz schüchtern aus dem Auto, so etwas hat sie noch nie erlebt. Dann wird die Geschenktasche aufgemacht, Ball gespielt, Seifenblasen platzen lassen und natürlich 100 Bilder gemacht, die dann immer sofort bestaunt werden müssen. Jetzt sind alle aufgetaut!

Irgendwann ist der ganze Spaß vorbei und viel zu früh steigen die Afrikaner mit acht!!! Leuten, in einen Kleinwagen, um nach Hause zu fahren. Unsere Leben werden jetzt, hoffentlich, für mindestens 15 Jahre verbunden sein. Wir beten, dass es bald immer mehr Lösungen geben wird für diese schreckliche Krankheit, AIDS. Schön sich so kennenlernen zu dürfen.

Fazit: Pastor David, der Leiter der AIDS-Arbeit in Kasubi, der die Beziehung zu den Kids und ihren Familien hergestellt hat, schaut lächelnd auf die Beziehungen, die hier leise entstehen, und flüstert mir ein afrikanisches Sprichwort zu: ?Jedesmal, wenn du einem Kind Gutes tust, berührt dein Finger das Auge Gottes und es bringt ihn zum Weinen.?


Montag, 20.04.09
AIDS und Kinder

Für diese Kinder finden wir nur ganz schwer Paten. Menschen sponsern lieber gesunde Kinder!?

Am Montagmorgen fahren wir nach Kasubi wo Birte, Lukas und ich die Möglichkeit bekommen das sogenannte T.A.P.P. Programm zu besuchen. Hier treffen sich Frauen, die HIV infiziert sind und machen Schmuck aus Papier, reden miteinander über ihre Situation, was in diesem Land überhaupt nicht selbstverständlich ist und gleichzeitig läuft ein Kindergartenprogramm für die Kinder.

Wir werden eingeladen mit den Kindern zu singen, Geschichten zu erzählen und natürlich verteilt Lukas mal wieder Süßigkeiten. Das geht zwar nie komplett ohne Streit ab aber auch immer wieder beeindruckend, wie sofort auch geteilt wird.

Birte (afrikanisch: Beto) trifft das kleine Mädchen wieder, das sie gestern schon zum Tanzen aufgefordert hat und dann nicht wieder losgelassen hat. Fast als ob sich da jemand eine lebensrettende Patentante selber aussucht!

Etwas später sind wir zu Besuch in den kleinen Häuschen von drei Aidskranken Frauen. Gleich das erste ist am hellen Tag stockdunkel, dass ich Angst habe mich auf die kranke Frau zu setzen. Die Gespräche gehen immer nach dem gleichen Schema ab. Ich frage die Frauen mir ihre Geschichte zu erzählen, wir fragen nach den Namen der Kinder, geben Geschenke, die gemeinsam bestaunt werden, dann betet einer von uns und wir gehen wieder. Aber Routine ist das gar nicht. Lukas bricht diese kurze Reise das Herz und er stellt alle möglichen Fragen, zum Beispiel, wie man AIDS bekommen kann. ?Aber ich möchte doch Papa werden, wie kann man da sicher sein, dass einem sowas nicht passiert??

Nach dem Besuch entschließt mein Sohn, der sich immer alles was er macht so genau überlegt, eine Patenschaft für eins dieser Kinder zu übernehmen.

Am Nachmittag werden ihm dann Bilder von vier der T.A.P.P. Kinder vorgelegt und er soll entscheiden, wer seine Unterstützung bekommen wird. Wie entscheidest du sowas?

Aber wenn du helfen willst musst du harte Entscheidungen treffen und morgen früh, treffen wir die knapp drei-jährige Lillian und der neue Patenpapa ist schon total beschäftigt, mit der Hilfe von Ami, eine Geschenktasche zusammenzustellen.

Am frühen Nachmittag dann etwas total anderes. Der Kasubi Highschool Chor rockt wieder und gibt uns ein Minikonzert, sozusagen die Generalprobe für die Deutschlandtour. Nur ein Satz: ?Wer die verpasst ist doof!? Unglaublich gut. Hoffentlich kriegen die jetzt noch ihr Visa. Gar nicht so einfach heutzutage!

Später sitzen Sonja, Birte, Amy und ich mit den zehn Chormitgliedern zusammen und singen. Als ich meine Gitarre ausklingen lasse und die Harmonien ein Lied beenden, muss ich kurz checken, ob ich nicht schon im Himmel angekommen bin. Gänsehaut pur.

Dann verteilen wir noch Geschenke an die großen Schüler, die bald mit der Schule fertig sein werden. Viele werden studieren gehen.

Das waren vor 15 Jahren die kleinen Kids, die unbedingt einen Sponsor brauchten.

Ganz viel Hoffnung!´

Fazit: Mein Sohn wollte unbedingt Gott erleben. Heute hat er ihn getroffen. Ich auch!


Sonntag, 20.04.09
Kasubi rockt

Heute wurde unser deutsches Team, wie fast jede Sonntag auf Kirchen aufgeteilt, um verschiedene Gottesdienste zu besuchen, Genschenke zu verteilen, sich vorzustellen (jeder sollte hier immer seine Geschichte parat haben), wir singen was vor und ich darf predigen.

Mein Team ist in Kasubi dabei, der Heimat des High School Chors, der ab nächster Woche wieder in Deutschland unterwegs sein wird. Als die loslegen rockt der Saal und eigentlich haben die wirklich nur ein paar Trommeln, ein altes Casio Keyboard aber eben auch ihre Stimmen und Körper zur Verfügung. Afrikanische Musik besteht fast immer aus dem Vorsänger und dem Echo des Chores und natürlich wird getanzt. Es ist unmöglich die Liebe zur Musik und Jesus nicht zu spüren und ziemlich schnell hast du sogar tanzende Deutsche im Gottesdienst, sieht man sonst auch nicht alle Tage. Wir haben aber auch gar keine Chance, da der Vorsänger, Hanson, einzelne von uns, zum Vortanzen von unseren Plätzen zieht, was dann entsprechend von den Einheimischen bejohlt wird.

Als wir eine Liveschaltung zum Gottesdienst in Bad Segeberg versuchen, geht leider direkt vor einem Kinderchor unser Handy zur Neige. Schade. Müsst ihr eben am 9.Mai in die Mühle kommen und das für euch selber erleben.

Es wird auch wieder mächtig begrüßt. Unter anderem sind heute fast 20 Pastoren und Bischöfe aus verschiedenen Ländern zu Gast und mir wird etwas mulmig, dass ich gleich vor diesen Größen, die hier so viel verändert haben, predigen darf. Was für ein Morgen.

Ich mag die Veränderung in meinem Sohn! Nach dem Gottesdienst verteilt er geschickt Geschenke und Süßigkeiten an die Kinder. Richtig schwierig wird es, als vier andere Kinder mit bekommen, wie er einem kleinen Mädchen den Teddybär von seiner Schwester Kasey schenkt und die natürlich auch gleich was wollen. Auf Englisch muss er nun erklären, dass er morgen wieder kommt und der Teddy eben für ein kleines Mädchen bestimmt war.

Am Nachmittag beobachte ich aus dem Auto, wie er eigenständig auf dem Markt Preise für ein Geschenk für seinen Freund verhandelt. Selbst abends bei der Besprechung taut er langsam auf und erzählt seine Meinung. Und ab und zu haben wir gute Gespräche, warum die einheimischen Kinder sich manchmal so anders verhalten, als Deutsche und wie das ist, wenn man nicht mehr genug Geschenke hat und wie das wohl sein muss, wenn man so arm ist, dass man so wenig zu essen hat, ?

Insgesamt ein relaxter Tag, der mit einem kurzen Wegstehlen der Segeberger auf ein Glass Rotwein zu Ehren von Ankes und meinem Geburtstag endet.

?Life is good in Africa today!?

Aber auch gefährlich. Unser Gastgeber, Tim, der coole, kanadische Missionar hat mal wieder Malaria bekommen, kann keine Flüssigkeiten drin halten. Seine Familie, die daran gewöhnt ist, bleibt ziemlich cool aber unser deutscher Doktor Matthias und Krankenschwester Anke können es gar nicht fassen, wie falsch Tim, von der afrikanischen Krankenschwester behandelt.

Fazit: Afrika verändert dich! Wunderschön und gefährlich!


Donnerstag, 16.04.09

Obama hat übrigens recht: ?Yes, we can!? Hab ich jedenfalls gebrüllt, als ich gestern zum ersten Mal mein Werk auf diesem unglaublichen Klo vollbracht habe. Nach der Performace Angst des ersten Tages, nicht unbedingt selbstverständlich!

Ansonsten haben ein paar von uns weiter an diesem Wasserwegtragendem Weg rumgemauert. Immer wieder unterbrochen von ein paar hundert Kindern, die uns dabei zugeguckt haben. Aber wir sind tatsächlich fertig geworden.

Frage: Wer weiß, warum die sich immer freuen, wenn wir denen unsere leeren Wasserflaschen zuwerfen?

Antwort: Habe ich heute nach der Pause rausgefunden, als ein kleiner Junge mit einem dieser kleinen œ Literflaschen ganz akrobatisch Fußball gespielt hat. Das hat richtig Spaß gemacht, ist aber schwieriger, als es aussieht!

Am späten Nachmittag haben Sonja, meine talentierte Schwester, die nicht weniger talentierte Birte (hier heißt sie übrigens Beto) und ich unser Musikseminar gehalten. Der dreistimmige Gospel mit Sonja, war schwierig aber hat geklappt, die Bewegungslieder klappen hier immer und am Ende gab es noch eine gut Jamsession.

Das große Fußballspiel in den Trikots von Eintracht Segeberg und dem SV Weede hat übrigens auch stattgefunden. Ich habe ein paar Minuten vermisst, wegen des Workshops und das offizielle Endergebnis ist nach wie vor unklar. Eine Quelle hatte Segeberg 2:0 siegreich, eine andere Weede mit 1:0 vorn. Hier total egal! Tore sind sowieso zweitrangig, hier werden gekonnte Einzelaktionen frenetisch gefeiert!

Das meiste Gejohle gab es allerdings jedesmal, wenn einem der drei weißen Spieler der Ball abgenommen wurde. Total unfair, weil die drei Jungs mit Schuhen spielen mussten. Lukas war danach stinksauer auf die auslachenden Afrikaner. Doch den Frust hat er anschließend an einer Wasserflasche ausgelassen und am Abend beim Reis und Bananen Essen war die Welt wieder in Ordnung.

Es ist nach wie vor schwer zu verstehen. Auf der einen Seite total liebevoll, superfreundlich. Heute hat mir ein gerade mal 3-jähriges Mädchen geholfen Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen, während sie dabei noch ihren schreienden Babybruder auf dem Rücken hatte.

Wenn du jemand Süßigkeiten gibst, teilen die Kids das sofort mit ihren Freunden.

Und wenn ein Kind hinfällt und sich wirklich weh tut, wird es ausgelacht!

Am Abend war ich noch mit Audrey und Friedbert im Dorf, um zu sehen, wie die Kinder leben. Mein Lieblingshaus war eine einfache Lehmhütte mit einer Fernsehantenne. Dann waren wir noch mit einem Mädchen im Dorfladen, natürlich ohne Strom, im Dunkeln Seife kaufe, die hier von der Stange geschnitten wird. Und Coca Cola gibt es natürlich auch hier im ärmsten Dorf. Lauwarm eben!

Fazit: Wie schon gesagt: Obama hat Recht. ?Yes we can!?


Samstag, 18.04.09
Hier kommt die Braut

Heute sind wir alle von meinem Freund Stephen zur Hochzeit eingeladen. Vor einem Jahr hat er mir Bilder von Judith gezeigt und seitdem schreiben wir uns jede Woche Emails, wo die Details dieses Tages immer wieder vorkommen. Wie viele Kühe wird die Braut kosten? Was ist das richtige Datum? Das Budget sprengt alle Vorstellungen! Was jetzt?

Und jetzt ist der Tag da. Um 12:00 soll es losgehen. Dann um 13:00! Wir erreichen die Kirche um 14:00, ich war noch nie eine Stunde zu spät zu einer Hochzeit! Aber es probt zwar ein Gospelchor, trotzdem sind kaum Gäste da. Ein Anruf bestätigt, wir sind bei der richtigen Kirche. Es gibt das Gerücht, dass die Brüder der Braut immer noch nicht mit dem Brautpreis einverstanden sind und den Start boykottieren. Genaueres kriegen wir nicht mit, als warten wir! Gegen 15:30 fahren tatsächlich ein paar Busse vor und es kann losgehen. ?Sehr kurz seien afrikanische Hochzeiten, sagt mir eine Kollegin von Stephen, die mich freundlich begrüßt! Nie länger als eine Stunde!?

Irgendwann kurz vor 18:00 Uhr, haben wir dann eine super schöne Hochzeit erlebt, komplett mit acht Brautjungfern und sechs Blumenmädels, alle chic in passenden, grünen Kleidchen. Die Braut sieht natürlich super aus. Der größte Unterschied zu anderen Hochzeiten, die ich erlebt habe, ist, dass hier nicht langsam nach vorne marschiert, sondern von Standort zu Standort getanzt wird. Alles schon sehr cool!

Sogar die bösen Brüder, es gab ein weiteres Gerücht, dass sie bis zuletzt damit gedroht haben, Judith an einen Reicheren zu verkaufen, haben sehr positive Reden gehalten.

Ich selber habe eine spannende Episode auf dem Weg zur anschließenden Feier. Ich suche nach einer Bankmaschine, für das Hochzeitsgeschenk. Hier fast unmöglich! Und finde mein Auto nicht wieder und wandere, ohne Handy oder Geld in der Tasche, blöde Ugandische Bankmaschinen, eine knappe halbe Stunde, als einziger Weißer, durch Kampala, bevor ich Pastor Moses, meinen Sitznachbar im Auto entdecke und er mir den Weg zum Auto zeigt.

Während der anschließenden Feier, die natürlich viel zu spät anfängt, sitze ich im Halbdunkeln hinter dem Brautpaar. Es werden, ohne Unterbrechung Reden gehalten, denen keiner zuhört, weil wir auch gleichzeitig essen, Reis und Salat, mit den Händen und Geschenke überreichen. Totales Gewusel aber das stört hier keinen.

Lukas und mein persönlicher Höhepunkt ist, als unser Freund Joseph und seinw beiden Jungs uns in ihr kleines Haus einladen. 2 Quadratmeter Ziegelsteine und Beton. Zwei Betten, zwei Stühle und dazwischen ein Vorhang und natürlich Josephs Gitarre. ?Wenn meine drei anderen Kids und meine Frau es sich leisten könnten zu kommen, würde das schon irgendwie passen!? sagt er. ?Aber leider sind unsere Schülerzahlen runter und die Gehälter können nicht immer bezahlt werden!? Außerdem ist er krank. Irgendetwas mit der Lunge macht ihm seid einem Jahr zu schaffen.

?Erzähl mal deine Geschichte, Joseph!?

?Meine Eltern sind früh gestorben aber man hat mich im Dorf gemocht. Also haben sie mich mit 14 verheiratet; einfach Geld zusammengeschmissen.

Irgendwann haben meine Frau und ich uns entschieden, dass ich auf Lehrer studieren sollte. Wir hatten kein Geld aber ich konnte gut singen, sah gut aus und immer gut angezogen, da hat man mich umsonst mitmachen lassen! Das war mein Geheimnis!? ?Kann ich irgendwie helfen?? ?Matratzen wären schön!?

Irgendwann kommt Lukas Freund Gottfried und sagt uns, dass unsere Gruppe schon im VW Bus sitzt. Joseph führt uns durch die Dunkelheit zurück zur Party. Ich darf die Brautleute noch mal umarmen, ein paar Kinder in den Arm nehmen und fahre mit so einer Mischung aus zufriedenen und sentimentalen Gefühlen nach Hause!

Fazit: Wie würde ich damit umgehen, wenn meine Frau Angst haben müsste, dass ihre Geschwister sie an einen Reicheren Wegverkaufen? Wäre ich auch so höflich, wenn es dann doch zur Hochzeit kommt? Eher nicht!

Irgendwie ist es so einfach und gleichzeitig so schwer etwas zu verändern! Die schwerste Frage ist immer, wo fängt man an und wo hört man auf? Und dann ist da immer das Gefühl, dass es total schön ist zu helfen. Es gibt nichts besseres, es ist aber auch nie genug! Und das ist unglaublich schwer!


Mittwoch, 15.04.09

Lukas hat mit seinen neun Jahren heute den ersten ernst zu nehmenden Heiratsantrag bekommen. Zwei 13-jährige Mädchen haben mich allen Ernstes gefragt, ob sie ihn mit nach Hause nehmen könnten. Hier weißt du nie 100%ig was mit so einer Aussage gemeint ist.

Lukas war von der Aufmerksamkeit wenig angetan und sichtlich genervt, dass die Kinder ihn immer anstarren und auslachen. Die Menschen lachen hier, wenn ihnen etwas peinlich ist. Alles Kulturunterschiede die einem komisch vorkommen, selbst, wenn man sie weiß. Dass hier so wenige englisch sprechen, macht die Sache auch nicht leichter.

Am Nachmittag haben wir um 17:00 Uhr einen Kurzgottesdienst (für afrikanische Verhältnisse), der eigentlich um 14:00 angesetzt war. Der Highlight ist eine etwa 80-jährige, fast zahnlose Dame, die tanzt, singt und den ganzen Laden hier richtig anheizt, und zum mitmachen animiert. Nicht das es nötig wäre hier irgendeinen zum Tanzen bringen zu müssen. Könntest du dir in Deutschland eine tanzende 80-jährige Sängerin im Gottesdienst vorstellen?

Zwischen all den afrikanischen Kirchenliedern, gibt es auch einen ?traditionellen? Fruchtbarkeitstanz mit ?traditionellem Hintern wackeln.? Also, wenn der Hintern hier das hauptsächliche Objekt der männlichen Begierde ist ? Hier wird im Gottesdienst ganz schön was geboten.

Auf meinen Spruch, dass dies doch ähnlich sein müsste, als ob bei uns zu Hause Pamela Anderson, während des zweiten Chorals, tanzend im Bikini aus der Torte springt, reagiert mein etwas konservativerer Nebenmann lieber nicht.

Alles cool und anders hier eben und es ist schwer irgendwie Vergleiche zu finden. Also genießt man einfach die Atmosphäre.

Unser deutscher Vortrag von ?Leaning on the Lord?s Side? wird übrigens auch gebührend gefeiert und mitbetanzt!

Während des ganzen Gottesdienstes, wenn wir gerade nicht tanzen, habe ich ein etwa 3-jähriges Mädchen auf dem Schoss. Dieses Vertrauen ist hier auch ungewöhnlich. Als ich kurz was holen muss, sitzt sie dann einfach auf Lukas. Sie wird für den Abend nicht mehr von unserer Seite weichen, wo sind eigentlich die Eltern? Wir sind doch Fremde.

Lukas kann es nicht fassen, als ein kleiner Junge, sein neuer Freund, dessen Namen er nicht kennt, bis spät bei uns sitzt und keine Mama oder Papa ihn abholt. Dass das hier normal ist, findet er unerhört.

Gebaut wurde heute auch an der Klinik. Meine Schwester Sonja und ich haben angefangen einen Weg zu mauern, der gleichzeitig als Abfluss dienen soll, damit die Klinik, bei Regen, nicht mehr überschwemmt wird. Wir machen ständig Sprüche, wie stolz unser handwerklich talentierter Vater jetzt sein würde und kommen ganz gut voran.

Ach ja! Unsere Zelte haben letzte Nacht eine Art Monsun überlebt. An Schlafen war zwar nicht zu denken aber kuscheln mit meinem Sohn war auch cool.

Fazit: Ich glaub ich verheirate Lukas hier doch nicht!


Dienstag, 14.04.09
Mawanga

Heute Mittwoch ging es auf die lange Fahrt in das Dörfchen Mawanga. Dörfer machen uns immer ein bisschen Angst. Dorf hier heißt: Ganz weit weg von der Zivilisation. Wasser ist, für die Glücklichen eine Pumpe in der Dorfmitte. Menschen die einen anstarren, weil sie eben wenige Weiße gesehen haben bis jetzt. Manchmal werden wir sogar von 100 Kindern aufs Plumpsklo verfolgt. Strom gibt es nur vom Generator, den sich die allerwenigsten leisten können aber an einer Lehmhütte haben wir sogar eine Fernsehantenne gesehen.

Hier sollen wir in den nächsten Tagen eine Krankenstation aufpeppen, ein paar Programme in der Schule machen und mal sehen, was sich so ergibt!

Wir hatten gestern eine interessante Diskussion. Knapp 80 Prozent der Menschen in Uganda laufen hier jede Woche in Kirchen, Moscheen, usw. Zumindest der christliche Glaube basiert darauf, dass Jesus dafür gelebt hat und gestorben ist, das Veränderung passiert. Das die Welt durch seine Nachfolger irgendwie anders, besser, schöner gemacht wird. Ostern ist für uns der Beweis, dass Liebe am Ende immer gewinnt. Davon ist manchmal leider sehr wenig zu sehen.

Die Frage unserer Diskussion war also, müsste sich in Uganda, mit all den Christen nicht irgendwie strukturmäßig im Land etwas verändern, wenn so viele an Veränderung glauben können.

Sobald wir hier in Mawanga ankommen, bekommen wir ständig über Veränderung zu hören.

Vor drei Jahren war hier nur ein Acker, jetzt hat Gott uns geholfen, hier eine Krankenstation für die Leute im Dorf zu bauen!?

Vor fünf Jahren gab es hier nur einen Wald, jetzt steht hier eine Schule für über 600 Schüler!?

Vor zehn Jahren gab es hier kein sauberes Wasser und die Leute waren ständig krank. Dann hat Gott uns einen Brunnen geschenkt!?

Und wir haben noch so viele Pläne! Mawanga mag so klein sein, dass es nicht mal auf der afrikanischen Landkarte steht aber ihr könnt euch sicher sein, Mawanga steht auf Gottes Karte!?

Hier scheint sich also was zu verändern! Vielleicht nur eine andere Weltsicht? Eine andere Art Dinge auszudrücken? Oder?

Heute Abend schaffen Lukas und ich es mal gerade unser Zelt aufzubauen, ? weil Birte dazukommt und uns hilft. Morgen machen wir dann mal mit bei der Verbesserung von Mawanga.

Fazit: Ich mag weder Zelte, noch Ugandische Klos. Alles andere ist cool hier!


Montag, 13.04.09
Meine Lieblingsschule

Heute hatten wir endlich die Chance die Naomi Froese Elementary School zu besuchen, wo ich sofort mit einem Lied begrüßt werde oder vielmehr der Luftgitarre dazu, das ich den Kids letztes Jahr beigebracht habe.

Weil heute Ostermontag ist, sollte hier eigentlich keiner da sein aber nach ein paar Minuten sind wir von mindestens 100 Kindern und fast allen Lehrern umzingelt. Handys hat hier nämlich auch jeder in seiner Lehmhütte und in Minutenschnelle war bekannt, dass wir kommen würden.

Afrikanische Gastfreundschaft.

Begrüßung

Meine Freunde Stephen und Joseph sind beide da und sofort folgen ausführliche Vorstellungen. Lukas kannten sie bisher nur aus meinen Geschichten aus dem letzten und mein Sohn ist doch ziemlich verwundert als er minutenlang von Joseph umarmt und gekuschelt wird. Meine Hand wird natürlich auch minutenlang gehalten. Wie war das noch mit den Afrikanischen Benimmregeln. ?Wenn Männer in Afrika sich nahe halten ist das freundlich und hat mit Homosexualität nichts zu tun.?

Ich frage Joseph, ob seine Familie aus dem Dorf, die er nur gelegentlich sieht endlich bei ihm ist. Wir hatten letztes Jahr angefangen hier ein paar Wohnungen für die Lehrer zu bauen. ?Nein, die Wohnungen wären noch nicht ganz fertig und die Familie nachzuholen wäre zu teuer aber er hat es geschafft seine beiden ältesten Söhne zur Schule zu bringen.? Stolz stellt er uns Joseph Oleput Jr. und Justin Oleput vor, die unschwer am gleichen bunten Hemd zu erkennen sind. Dann wird Lukas den beiden vorgestellt, alle drei schweigen sich schüchtern an, bis wir Lukas auffordern seinen Fußball zu holen. Die Internationale Sprache wird eben überall gesprochen.

Dann folgt eine Diskussion über die 0:4 Bayernklatsche in Barcelona, über die sie genau Bescheid wissen.

100 wichtige Euros

Dann werden die neuen Schulräume begutachtet, irgendwo bricht eine Art Volleyball mit einem Beachball aus, in einem Raum schnippelt unser Doktor gerade, assistiert von Krankenschwester Anke an einem schreienden 7-jährigen Mädchen herum. Sie ist Aidsinfiziert und hat eine stark verschmutzte Fleischwunde am Bein, die bisher aus Geldgründen unbehandelt geblieben ist. 100 Euro von Freunden aus unserer Heimatgemeinde haben hier wohl gerade ein Leben gerettet. Cool.

Party

Irgendwann spielen wir noch mit Gummihühnern aus Deutschland und Fingerblastern aus Canada, dann kommen die Gitarren raus, die wir letztes Jahr mitgebracht hatten und die hier täglich benutzt werden und die Party geht ab.

Ach ja, Lukas, der eben noch umsorgt von Afrikanern im kühlen Klassenraum lag, weil ihm von der Sonne schlecht geworden war, steht schon wieder und gibt gerade Anweisungen, wie man mit Fingerblastern auf Gummihühner schießt und ich muss ihn immer wieder ans Wassertrinken erinnern.

Patenschaften

Dann darf ich noch Geschenke übergeben an Susan, ein kleines 12-jähriges Mädchen, für das gerade eine Familie, zu Hause eine Patenschaft übernommen hat. Christine, die Direktorin der Schule erzählt uns, wie wichtig gerade diese Patenschaft sein wird. Vielleicht die große Chance sogar weiter, nächstes Jahr zur Highschool zu gehen und nicht in irgendeine Zwangsehe verkauft zu werden. Auf jeden Fall total witzig zusammen die Geschenke aus Deutschland zu bestaunen, besonders das Fotobuch mit Bildern der deutschen Mädchen ist ein bisschen überwältigend.

Leider geht der schönste Besuch irgendwann zu Ende aber wir sehen uns wieder in fünf Tagen zu Stephens Hochzeit.

Der Rest

Am Nachmittag noch ein bisschen African Shopping auf einem Markt. Lukas kauft die gleichen Salatlöffel, die er vor ein paar Monaten Jubilee an den Kopf gehauen und zerbrochen hat. Praktische Wiedergutmachung!

Jetzt packen wir für vier Tage in Mawanga, ein Dorf ohne Haus, Strom, Wasser, Toiletten. Nicht gut, wegen all dieser Darmkrankheiten, unter denen wir inzwischen alle irgendwie leiden.

Es gibt aber eine Schule mit 1000 Schülern und mit denen werden wir lernen, Musik machen, Sonja und ich dürfen wieder einen Musikworkshop machen, und es wird ein großartiges Fußballspiel stattfinden: SV Weede gegen die Eintracht aus Segeberg. Beide Vereine haben Trikots und Fußballzeug gespendet. Da wir dort kein Internet haben wird das Ergebnis dann am Freitag nachgereicht.

Fazit: Wir haben wieder mal gesehen, welchen Unterschied ein bisschen Geld manchmal machen kann, wenn es mit Liebe und Innovation eingesetzt wird.

Joseph Jr. Und Justin brauchen übrigens noch jeweils eine Paten. Nur 30 Euro im Monat!


Freitag, 10.04.09 bis Ostersonntag, 12.04.09
Road Stories & Safari

Unsere Fahrer

Heute geht es auf Safari. Kurze Nacht im Zelt, dann hoch um 5:30 Deutscher Zeit. Was man nicht alles mitmacht, um was zu erleben. Heute und am Ostersonntag werden wir insgesamt 20 Stunden im Auto sitzen. Hier also ein paar Beobachtungen vom Rücksitz unseres Vans.

Bist du ein Sicherheit- oder Freiheitstyp?

Es gibt sie hier beide im Team, die Sicherheitstypen, die gegen absolut alles geimpft sind, Medikamente gegen jedes mögliche Wehwehchen dabei haben, immer schon 15 Minuten vor Abfahrt auf ihrem Lieblingsplatz im Bus sitzen, natürlich angeschnallt, damit auch ja nichts schief geht.

Dann gibt es die Freiheitstypen, denen so ein Leben viel zu eng ist, die eher spontan reagieren, manchmal mehr flexibel reagieren können aber eben oft mal auf die Hilfe der Sicherheitsleute in Anspruch nehmen müssen.

Beides hat Vor- und Nachteile und wir haben Extremtypen von beiden Seiten in unserem Team und das führt zwar manchmal zu Unstimmigkeiten, ist aber eigentlich richtig gut.

Ich selber gehöre eher nicht zu den Sicheren Aber gegen die Jungs aus Uganda bin ich gar nichts. Eben fährt uns ein alter Lastwagen mit meterhoch gestapelten Colakisten, entgegen, den bei uns kein TÜV genehmigen würde. Ganz oben auf den wackelnden Kisten und der Fahrer düst mit 80 Sachen über die holprige Sandpiste, sitzen noch mal 6 junge Männer.

Wäre ich nur ein Sicherheitstyp gewesen, dann hätte ich natürlich meine Kamera dabei gehabt und hier würde jetzt ein entsprechendes Beweisfoto zu bestaunen sein.

Lehmhütten

Auch nach Stunden staunst du immer noch über die alten Fensterlosen Steinhäuser und Lehmhütten ohne Boden. Da leben manchmal 12 Leute drin.

Wie schaffen die das auch nur ab und zu nachts ein Auge zu zumachen?

Wie haben die heimlich Baby #10 geschafft?

Wie schaffen die es total geschniegelt in rosa Kleidchen, schniekem Anzug, Afrikanischem Hut, in die Gottesdienste zu kommen und so auszusehen, als ob alles frisch gebügelt ist?

Überall Menschen am Straßenrand

Unser Fahrer rast mit 100 Sachen über die rote Sandstraße und während er hupend mal wieder einem Geisterfahrer ausweicht verfehlt er ständig die vielen, vielen Menschen, die überall am Wegrand rum sitzen, Bananen verkaufen, zu dritt Fahrrad fahren ?

Heute am Karfreitag und Ostersonntag sind sie alle voll gut angezogen. Wo wir in der westlichen Welt Botox spritzen, wickeln die Afrikanischen Frauen übrigens Tücher um den Hinter, damit selbiger größer aussieht. Ich find?s lustig. Die Männer hier würden wahrscheinlich nie verstehen, warum jemand so blöd sein könnte, sich andere Körperteile vergrößern zu lassen.

Die Zwangshochzeit

Am Sonntag fahren Lukas und ich mit unserem Segeberger Team im Van und ich frage nach eindrücklichen Geschichten von der ersten Woche.

Der Gewinner ist eine Story vom ersten Sonntag hier. Das Team hatte sich auf drei Kirchen verteilt. Als einer der Busse nach 4 Stunden Gottesdienst zurück ins Camp fährt, sehen sie am Straßenrand ein schreiendes junges Mädchen, umringt von vier jungen Männern. Der afrikanische Fahrer und der Pastor, die vorne sitzen, schnallen die Situation sofort und springen mit Hammern bewaffnet nach draußen, um die Jungs zu überwältigen.

Das Mädchen sollte durch eine Vergewaltigung gezwungen werden, einen dieser Männer zu heiraten. Ihre Eltern waren gerade verreißt und das Mädchen ist einfach aus dem Dorf gezerrt worden. Angeblich war so eine Tat bis vor einigen Jahren noch ausgesprochen üblich und ist erst seid einigen Jahren strafbar.

Ende gut, alles gut, die junge Frau wurde mit ins Dorf genommen und ist inzwischen wieder sicher bei ihren Eltern.

Pastor sein in Uganda, ist also schon ein bisschen anders, als in Deutschland. Ich hab ja schon verrückte Sachen gemacht, kann mir nicht vorstellen, jemals in die Lage zu kommen, mit Hammer bewaffnet Mädchen zu verteidigen.

Kackvögel

Lukas war heute den ganzen Tag müde, im Auto. Gestern Abend hatte er noch zwei Afrikanische Freunde getroffen und um 23:00 musste ich ihn endlich ins Bett scheuchen, weil die drei, die sich nur wenig auf Englisch verständigen konnten, zur Völkerverständigung beigetragen haben, in dem sie sich fast drei Stunden lang gegenseitig, an Wildschweinen und Kakadus vorbei durch den Park gehetzt hatten.

Heute Morgen erwachte mein Sohn mit den Worten: ?Blöde Kackvögel! Stop being so loud!?

Hier in Uganda hast du ständig eine Geräuschkulisse von Grillen, Vögeln und wer weiß was und die sind alle hübsch anzusehen aber eben auch tierisch laut. Hier helfen unsere Ohrstöpsel überhaupt nicht.

Safari

Lukas

Sonja und Frank

Am Samstag war den ganzen Tag Safari angesagt. Leider haben wir Löwen nur als gelbe Punkte am Horizont erlebt. Dafür Elefanten, Affen, Giraffen, ein paar Gazellenarten, Krokodile, Nilpferde, ?

Sobald wir im Park waren, sprang uns sofort ein Affe aufs Dach, weil im Van irgendwo einen Banane rumlag. Sehr cool!

Lukas mochte übrigens die Elefanten am besten, ich die Affenbabys!

Am Abend haben wir noch unsere beiden Fahrer zum Essen eingeladen. Edwin und Douglas waren super!

Fazit: Ich hab mir irgendwann mal überlegt für meine Kinder mehr in Erfahrungen und weniger in Zeugs zu investieren. Heute scheint das eine richtig gute Idee.


Donnerstag, 09.04.09

Ich will auch irgendwann mal 1. Klasse fliegen? sagt mein Sohn, so gegen 3:00 morgens. Wir sitzen in Reihe 12, J und L direkt vor dem Klo, versuchen irgendwie einzunicken, während alle zwei Minuten direkt hinter uns mal wieder einer gegen die Klo Tür und gleichzeitig unseren Kopf hämmert. Zwischendurch geht ständig die Spülung und dieser parfümierte Sanitätsgeruch hängt in der Luft.

Das verrückte ist, dass sich direkt, zwei Reihen vor uns, die 1. Klasse befindet. Durch den Vorhang kann ich das Paradies sehen, mit den doppelt so großen Sesseln, dem besseren Essen, angenehmerem Licht. Es ist so schön da und der Raum ist fast komplett leer.

Und je länger ich mich hin und her quäle, umso unattraktiver, unfreundlicher und dicker sehen die vier Bonzen aus in ihren dicken Sesseln. Was haben die in meinem Paradies zu suchen.

Der Gedanke liegt natürlich nicht fern, dass ich, dass unser Team in nur ein paar Stunden, die dicken Bonzen sein werden. Hoffentlich sind die Menschen dort dann weniger missgünstig.

Von Lukas soll ich sagen, dass er den Flug zwar doof und zu lang fand aber der Sonnenaufgang über Afrika voll cool aussah und er froh ist, dass wir jetzt hier sind. Nur noch drei Stunden wach bleiben und wir dürfen endlich weiterfliegen. Und ich soll ?aufhören, die Beine übereinander zu schlagen?, sagt er, ?weil das doch in Afrika unhöflich ist!? ?Das war, glaub ich, nur in Uganda unhöflich. Ist auch egal, ich bin müde. Wenigstens dürfen wir jetzt höflich in der Nase poppeln.? Langsam kommt es wieder das Afrikanische Lebensgefühl. Nicht mal 30 Minuten auf meinen Kaffee zu warten nervt. Lukas findet das weniger lustig aber jetzt ist sein Wasser gekommen.

Am Flughafen in Kampala hat die Abholung tatsächlich reibungslos geklappt, was gut war, weil es im Prinzip keinen Plan B. gab. Da standen dann aber doch zwei liebe Männer mit einem ?Frank & Lukas? Schild. Das war so klein, dass wir es glatt übersehen haben aber dafür sind wir ihnen aufgefallen, was leicht war, da nicht zu viele Weiße hier heute eingeflogen sind. Alles Gepäck ist auch hier, Lukas hat seinen ersten Bananenbaum gesehen, wir schlafen in einem Zelt, haben unsere Malariapillen rechtzeitig geschluckt, überall hört man Tiere und Afrikanische Musik liegt in der Luft.

Wir freuen uns darauf die anderen zu treffen und Geschichten zu hören, was besonders gut ist, weil es mit Abendbrot verbunden ist und ich kann schon Schokoladenkuchen riechen.

Ich habe jetzt schon einige Freunde, vom letzten Jahr wiedergetroffen. Hatten vorhin ein Gespräch mit einem 38-jährigen Gartenarbeiter, der richtig gut auf Lukas eingehen konnte und auf die Frage, ob er selber Kinder habe, traurig antwortete, dass er sich eine Hochzeit einfach nicht leisten könne, weil er nicht rechtzeitig vorausgeplant habe.

Absolut unvorstellbar für uns. Eine Frau, plus Hochzeitsfeier kostet hier einige Kühe, Ziegen und etliche andere Geschenke. Das ist die Tradition. Ich hab mal gerechnet, weil ja mein Freund Stephen nächste Woche heiratet. Um die 4000 Euro. Viele dieser Jungs verdienen irgendwo zwischen 20 und 40 Euro.

Wie überhaupt jemand heiratet, keine Ahnung aber ich werde versuchen es herauszufinden. Auf jeden Fall bleiben dabei einige gute potentielle Ehemänner und Väter auf der Strecke.

Fazit: Einfach schön wieder hier zu sein!

Frage: Ich finde die Sitte mit dem ?Ehefrauen mit Kühen kaufen? ja auch doof aber was würde passieren, wenn das in Deutschland auch Sitte wäre. Vielleicht mit Autos, Häusern und ein bisschen Schmuck für die Schwiegermama? Würden dann überhaupt noch Leute heiraten? Was sind uns unsere Partner und Kinder wert? Es haben ja nicht alle das gleiche Glück aber In meinem Fall müsste ich da eine ganze Menge Kühe springen lassen.


Mittwoch, 08.04.09
Familienurlaub, Karamelleis und reisen, reisen, reisen

Jetzt geht es endlich los. Lukas und ich sitzen im Zug nach Frankfurt. Die ersten sieben Stunden unseres 30 Stunden Trips nach Kampala haben wir hinter uns. Eben noch waren wir im Familienurlaub auf Rügen.

Irgendwie haben es unsere 80 Kilo Geschenke für Afrika unbeschadet in den letzten Zug vor dem Flughafen geschafft Gar nicht so leicht, wenn übermotivierte Reisende sich immer wieder zwischen dich, deinen Sohn und das besagte Gepäck drängeln.

Aber jetzt rächen sich unsere Koffer und stehen im Gang ein bisschen im Weg rum. . Nicht böse sein, lieber Kaffeewagenmann! Wenn einer die Taschen klauen sollte, wäre ich gerne beim Aufmachen dabei: Schlipse, 20 Paar Sportschuhe, Fußballtrikots, Wasserballons, gebrauchte Klamotten und eine ganze Menge Gummibärchen. Genau die Dinge die man braucht, um Uganda zu einem schöneren Ort zu machen.

Wer viel reist, weiß, wie wichtig es ist, im Zug oder Flugzeug neben den richtigen Leuten zu sitzen. Lukas, der gerade seine fünfte ‘Die Drei Fragezeichen-MP3′ Datei hört, und ich sitzen gerade neben einer Gruppe von Produkttestern. Alle drei haben jeweils eine kleine Kühlpackung mit der Aufschrift Häagen Dazs vor sich stehen und die erste halbe Stunde, nach Betreten des Zuges wurden verschiedene neue Sorten getestet und werbetechnisch beurteilt.

Die arme einzige Dame im Team hat es leider nicht mehr geschafft die neue Doppel Karamellsorte zu probieren. Wie gesagt. Es ist immer gut, beim Reisen, neben den richtigen Leuten zu sitzen.

Unser letzter Luxus vor dem Flug nach Uganda war also Karamelleis, unsere eigenen Sitzplätze, und ein abschließbares Klo für 40 Fahrgäste. In Kampala teilen sich 200 Familien ein Loch im Boden, von eigenen Sitzplätzen und Edelkaramelleis ganz zu schweigen.

Fazit unserer ersten Reisestrecke: Karamelleis und Drei Fragezeichen sind super Reisebegleiter!


Teil 2 – April 2009

Es geht also tatsächlich noch mal los. Was ist neu?

1. Diesmal darf ich zusammen mit meinem Sohn nach Uganda fliegen. Es hat tatsächlich geklappt.

2. Diesmal sind wir als Team aus Bad Segeberg dabei. Geteilte Erfahrung soll ja noch viel besser sein. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich mir letztes Jahr immer gewünscht habe, dass jemand von zu Hause das gleiche erleben könnte, wie ich.

3. Mein Freund Stephen, den ich letztes Jahr in Kampala kennengelernt habe, hat mich eingeladen und ich darf dabei sein und eine Kuh schenken, damit er seine Judith auch wirklich heiraten darf. Aber darüber später mehr!