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Generationentreffen

3. Mai, 2009 15:00

bei Familie Eberhard und Ingelore Bonkowski

Gottesdienst

3. Mai, 2009 10:00

mit Frank Bonkowski
Moderation: Bernd Klinner

26.04.2009
Frank Bonkowski – Wozu hast du dein “Ja” gesagt?

Frank Bonkowski bringt neue Eindruecke von seiner Uganda-Reise mit. Am Beispiel der Auswahl eines Patenkindes an Hand von 4 Fotos erklaert er, dass man dreimal Nein sagen muss, um einmal Ja sagen zu koennen. Kann es sein, dass wir bei der Vielzahl von Moeglichkeiten und Angeboten die es in unserer Zeit gibt, manchmal das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren? Hoeren Sie quasi die Fortsetzung von Jan Fehring’s Predigt “Du musst Dich entscheiden”.

icon for podpress  Frank Bonkowski - Wozu hast du dein JA gesagt? [16:50m]: Download

Mittwoch, 22.04.09
„Warum bilden sie sich ein sie können so schnell fahren?“

Jetzt sitze ich neben Lukas im Flugzeug von Äthiopien nach Frankfurt. Es ist gleich 4 Uhr morgens und wir haben noch knapp drei Stunden vor uns, bis ich meinen Sohn, wie ich es seiner Mama versprochen habe, wieder sicher auf deutschem Boden habe. Und beinahe wären wir, im letzten Moment doch nicht in diesem Flugzeug gewesen.

Als wir sechs Reisende, plus Fahrer Moses, gerade aus einem dieser berüchtigten ugandischen Kreisel fahren, winken uns drei Polizisten rüber. Einer, der Anführer hat eine dieser „Geschwindigkeitsmesserpistolen“ in der Hand und er brüllt Moses an, was er sich den dabei gedacht habe, so schnell zu fahren. So unterwürfig, demütig, wie jetzt habe ich Moses noch nie gesehen. „Ja, Sir, bitte vergeben sie mir!“ Ist das der gleiche Moses, der noch vor zwei Wochen, mit einem Hammer, vier potentielle Vergewaltiger in die Flucht getrieben hat?

„Ich bin nicht zu schnell gefahren,“ wird er uns später erzählen, „aber hier in Uganda hat die Polizei immer Recht!“

Irgendwann steigt der Polizist in den Wagen und erklärt mir, als dem Ältesten anwesenden Weißen, dass er nun den Wagen aus dem Verkehr ziehen wird, weil unser Fahrer schlecht gehandelt hat. „Bitte“, fleht Moses, „meine Gäste werden ihr Flugzeug verpassen!“ Und er hat Recht, wir sind schon jetzt spät dran, eine Fahrt zur Polizei wird zu lange dauern, selbst wenn wir Recht bekommen sollte, was sowieso in diesem Land unmöglich ist.

Irgendwann verschwindet der böse Polizist plötzlich, nachdem er mich noch einmal aufgefordert hat, dafür zu sorgen, dass mein „schlechter Fahrer“ ab jetzt die Geschwindigkeitsbegrenzungen einhält. Ein absoluter Witz, wenn man bedenkt, wie in diesem Land gefahren wird.

Warum hat der Mann unser Fahrzeug letztendlich dann doch verlassen?

Irgendwann hat Moses ihm nach zähen Verhandlungen auf Lugandisch 40.000 Schilling zugesteckt. „Direkt in seine private Tasche!“

Ungefähr 30.- €, nicht viel aber in Uganda ist das das Monatsgehalt eines Lehrers.

Das ist eben auch Uganda und das macht die Arbeit hier manchmal so schwer, diese fiese Korruption. Wo Kleine klein, Arme arm gehalten werden, um sich selber zu bereichern. Darum gibt es die reichen Nobelhütten, die Golfkurse und das Einkaufszentrum fast direkt neben den Slums, wo Menschen verrecken, weil sie sich billige Medikamente nicht leisten können.

Das wird uns mal wieder bewusst an diesem Tag. Während wir im Flugzeug sitzen, stirbt die 12-jährige Jessica, Ankes neues Patenkind, der man gerade, wegen einem Krebsgeschwür ein Bein amputiert hat. Gestern hatte sich Anke noch wagemutig, ohne Helm) auf ein Bola Bola (Motorrad) geschwungen, um Jessica zu besuchen. Jemand ohne die Hilfe des Kinderhilfswerksprogramms wäre garantiert nicht einmal soweit gekommen.

Aber trotz allem gibt es überall Hoffnung. Hier erwacht ein schlafender Riese. Die vielen kleinen Kirchen hier, wie die in Mawanga, die soziale Projekte anfangen, zum Glück noch mit unserer Unterstützung, wie Brunnen, Schulen, Medizinische Versorgung für ihr Dorf. Die Frage, warum keiner mehr in die Kirche kommt, stellt sich hier gar nicht, hier kommt die Kirche und verändert, verschönert, erneuert nach und nach ihr Dorf.

Der alte Opa, auch in Mawanga, der, wie so viele hier, all seine Kinder an AIDS verloren hat, sich aber liebevoll, um seine beiden Enkelinnen kommt. Wenn er stirbt, wird die kleine Kirche hier die Versorgung übernehmen und gerade hat die ältere Sania Mutesi, 12 Jahre alt, wie Jessica, auch einen Paten aus Deutschland bekommen, der diese Versorgung ermöglichen wird.

Maureen (8) und Lillian (3) die beiden HIV infizierten Kinder, die immer mehr aufgetaut sind, als sie sich gestern mit ihren beiden Paten Lukas und Beto angefreundet haben.

Der Kasubi Chor, die zehn jungen Leute, mit denen wir vorgestern Musik machen durften und mit denen sich beim Singen über Gott, über ihre Hoffnung für Uganda für einen Moment der Himmel geöffnet hat. So viel Lebensfreude, so viel Potential. Soviel Hoffnung in eine bessere Zukunft.

Fazit: Veränderung ist möglich! Trotz all der Hindernisse!

Ich habe neulich jemand mit folgendem T-Shirt-Aufdruck gesehen: „Wir verändern gerade die Welt. Wenn du mitmachen möchtest, frag mich bitte wie!“

Uganda haben wir nur zu einem ganz kleinen Teil verbessern können, wenn überhaupt. Aber es hat uns verändert!

Dienstag, 21.04.09
Abschied und Kennenlernen

Heute ist Packen angesagt, dann mal wieder ab auf die lange Flugreise nach Deutschland.

Zuvor aber noch ein Kennenlernen. Maureen (8) und Birte (Beto), Lillian und Lukas, die Kinder und ihre neuen Paten. Lillian (2) kommt ganz schüchtern aus dem Auto, so etwas hat sie noch nie erlebt. Dann wird die Geschenktasche aufgemacht, Ball gespielt, Seifenblasen platzen lassen und natürlich 100 Bilder gemacht, die dann immer sofort bestaunt werden müssen. Jetzt sind alle aufgetaut!

Irgendwann ist der ganze Spaß vorbei und viel zu früh steigen die Afrikaner mit acht!!! Leuten, in einen Kleinwagen, um nach Hause zu fahren. Unsere Leben werden jetzt, hoffentlich, für mindestens 15 Jahre verbunden sein. Wir beten, dass es bald immer mehr Lösungen geben wird für diese schreckliche Krankheit, AIDS. Schön sich so kennenlernen zu dürfen.

Fazit: Pastor David, der Leiter der AIDS-Arbeit in Kasubi, der die Beziehung zu den Kids und ihren Familien hergestellt hat, schaut lächelnd auf die Beziehungen, die hier leise entstehen, und flüstert mir ein afrikanisches Sprichwort zu: ?Jedesmal, wenn du einem Kind Gutes tust, berührt dein Finger das Auge Gottes und es bringt ihn zum Weinen.?

Montag, 20.04.09
AIDS und Kinder

Für diese Kinder finden wir nur ganz schwer Paten. Menschen sponsern lieber gesunde Kinder!?

Am Montagmorgen fahren wir nach Kasubi wo Birte, Lukas und ich die Möglichkeit bekommen das sogenannte T.A.P.P. Programm zu besuchen. Hier treffen sich Frauen, die HIV infiziert sind und machen Schmuck aus Papier, reden miteinander über ihre Situation, was in diesem Land überhaupt nicht selbstverständlich ist und gleichzeitig läuft ein Kindergartenprogramm für die Kinder.

Wir werden eingeladen mit den Kindern zu singen, Geschichten zu erzählen und natürlich verteilt Lukas mal wieder Süßigkeiten. Das geht zwar nie komplett ohne Streit ab aber auch immer wieder beeindruckend, wie sofort auch geteilt wird.

Birte (afrikanisch: Beto) trifft das kleine Mädchen wieder, das sie gestern schon zum Tanzen aufgefordert hat und dann nicht wieder losgelassen hat. Fast als ob sich da jemand eine lebensrettende Patentante selber aussucht!

Etwas später sind wir zu Besuch in den kleinen Häuschen von drei Aidskranken Frauen. Gleich das erste ist am hellen Tag stockdunkel, dass ich Angst habe mich auf die kranke Frau zu setzen. Die Gespräche gehen immer nach dem gleichen Schema ab. Ich frage die Frauen mir ihre Geschichte zu erzählen, wir fragen nach den Namen der Kinder, geben Geschenke, die gemeinsam bestaunt werden, dann betet einer von uns und wir gehen wieder. Aber Routine ist das gar nicht. Lukas bricht diese kurze Reise das Herz und er stellt alle möglichen Fragen, zum Beispiel, wie man AIDS bekommen kann. ?Aber ich möchte doch Papa werden, wie kann man da sicher sein, dass einem sowas nicht passiert??

Nach dem Besuch entschließt mein Sohn, der sich immer alles was er macht so genau überlegt, eine Patenschaft für eins dieser Kinder zu übernehmen.

Am Nachmittag werden ihm dann Bilder von vier der T.A.P.P. Kinder vorgelegt und er soll entscheiden, wer seine Unterstützung bekommen wird. Wie entscheidest du sowas?

Aber wenn du helfen willst musst du harte Entscheidungen treffen und morgen früh, treffen wir die knapp drei-jährige Lillian und der neue Patenpapa ist schon total beschäftigt, mit der Hilfe von Ami, eine Geschenktasche zusammenzustellen.

Am frühen Nachmittag dann etwas total anderes. Der Kasubi Highschool Chor rockt wieder und gibt uns ein Minikonzert, sozusagen die Generalprobe für die Deutschlandtour. Nur ein Satz: ?Wer die verpasst ist doof!? Unglaublich gut. Hoffentlich kriegen die jetzt noch ihr Visa. Gar nicht so einfach heutzutage!

Später sitzen Sonja, Birte, Amy und ich mit den zehn Chormitgliedern zusammen und singen. Als ich meine Gitarre ausklingen lasse und die Harmonien ein Lied beenden, muss ich kurz checken, ob ich nicht schon im Himmel angekommen bin. Gänsehaut pur.

Dann verteilen wir noch Geschenke an die großen Schüler, die bald mit der Schule fertig sein werden. Viele werden studieren gehen.

Das waren vor 15 Jahren die kleinen Kids, die unbedingt einen Sponsor brauchten.

Ganz viel Hoffnung!´

Fazit: Mein Sohn wollte unbedingt Gott erleben. Heute hat er ihn getroffen. Ich auch!

Sonntag, 20.04.09
Kasubi rockt

Heute wurde unser deutsches Team, wie fast jede Sonntag auf Kirchen aufgeteilt, um verschiedene Gottesdienste zu besuchen, Genschenke zu verteilen, sich vorzustellen (jeder sollte hier immer seine Geschichte parat haben), wir singen was vor und ich darf predigen.

Mein Team ist in Kasubi dabei, der Heimat des High School Chors, der ab nächster Woche wieder in Deutschland unterwegs sein wird. Als die loslegen rockt der Saal und eigentlich haben die wirklich nur ein paar Trommeln, ein altes Casio Keyboard aber eben auch ihre Stimmen und Körper zur Verfügung. Afrikanische Musik besteht fast immer aus dem Vorsänger und dem Echo des Chores und natürlich wird getanzt. Es ist unmöglich die Liebe zur Musik und Jesus nicht zu spüren und ziemlich schnell hast du sogar tanzende Deutsche im Gottesdienst, sieht man sonst auch nicht alle Tage. Wir haben aber auch gar keine Chance, da der Vorsänger, Hanson, einzelne von uns, zum Vortanzen von unseren Plätzen zieht, was dann entsprechend von den Einheimischen bejohlt wird.

Als wir eine Liveschaltung zum Gottesdienst in Bad Segeberg versuchen, geht leider direkt vor einem Kinderchor unser Handy zur Neige. Schade. Müsst ihr eben am 9.Mai in die Mühle kommen und das für euch selber erleben.

Es wird auch wieder mächtig begrüßt. Unter anderem sind heute fast 20 Pastoren und Bischöfe aus verschiedenen Ländern zu Gast und mir wird etwas mulmig, dass ich gleich vor diesen Größen, die hier so viel verändert haben, predigen darf. Was für ein Morgen.

Ich mag die Veränderung in meinem Sohn! Nach dem Gottesdienst verteilt er geschickt Geschenke und Süßigkeiten an die Kinder. Richtig schwierig wird es, als vier andere Kinder mit bekommen, wie er einem kleinen Mädchen den Teddybär von seiner Schwester Kasey schenkt und die natürlich auch gleich was wollen. Auf Englisch muss er nun erklären, dass er morgen wieder kommt und der Teddy eben für ein kleines Mädchen bestimmt war.

Am Nachmittag beobachte ich aus dem Auto, wie er eigenständig auf dem Markt Preise für ein Geschenk für seinen Freund verhandelt. Selbst abends bei der Besprechung taut er langsam auf und erzählt seine Meinung. Und ab und zu haben wir gute Gespräche, warum die einheimischen Kinder sich manchmal so anders verhalten, als Deutsche und wie das ist, wenn man nicht mehr genug Geschenke hat und wie das wohl sein muss, wenn man so arm ist, dass man so wenig zu essen hat, ?

Insgesamt ein relaxter Tag, der mit einem kurzen Wegstehlen der Segeberger auf ein Glass Rotwein zu Ehren von Ankes und meinem Geburtstag endet.

?Life is good in Africa today!?

Aber auch gefährlich. Unser Gastgeber, Tim, der coole, kanadische Missionar hat mal wieder Malaria bekommen, kann keine Flüssigkeiten drin halten. Seine Familie, die daran gewöhnt ist, bleibt ziemlich cool aber unser deutscher Doktor Matthias und Krankenschwester Anke können es gar nicht fassen, wie falsch Tim, von der afrikanischen Krankenschwester behandelt.

Fazit: Afrika verändert dich! Wunderschön und gefährlich!

Donnerstag, 16.04.09

Obama hat übrigens recht: ?Yes, we can!? Hab ich jedenfalls gebrüllt, als ich gestern zum ersten Mal mein Werk auf diesem unglaublichen Klo vollbracht habe. Nach der Performace Angst des ersten Tages, nicht unbedingt selbstverständlich!

Ansonsten haben ein paar von uns weiter an diesem Wasserwegtragendem Weg rumgemauert. Immer wieder unterbrochen von ein paar hundert Kindern, die uns dabei zugeguckt haben. Aber wir sind tatsächlich fertig geworden.

Frage: Wer weiß, warum die sich immer freuen, wenn wir denen unsere leeren Wasserflaschen zuwerfen?

Antwort: Habe ich heute nach der Pause rausgefunden, als ein kleiner Junge mit einem dieser kleinen œ Literflaschen ganz akrobatisch Fußball gespielt hat. Das hat richtig Spaß gemacht, ist aber schwieriger, als es aussieht!

Am späten Nachmittag haben Sonja, meine talentierte Schwester, die nicht weniger talentierte Birte (hier heißt sie übrigens Beto) und ich unser Musikseminar gehalten. Der dreistimmige Gospel mit Sonja, war schwierig aber hat geklappt, die Bewegungslieder klappen hier immer und am Ende gab es noch eine gut Jamsession.

Das große Fußballspiel in den Trikots von Eintracht Segeberg und dem SV Weede hat übrigens auch stattgefunden. Ich habe ein paar Minuten vermisst, wegen des Workshops und das offizielle Endergebnis ist nach wie vor unklar. Eine Quelle hatte Segeberg 2:0 siegreich, eine andere Weede mit 1:0 vorn. Hier total egal! Tore sind sowieso zweitrangig, hier werden gekonnte Einzelaktionen frenetisch gefeiert!

Das meiste Gejohle gab es allerdings jedesmal, wenn einem der drei weißen Spieler der Ball abgenommen wurde. Total unfair, weil die drei Jungs mit Schuhen spielen mussten. Lukas war danach stinksauer auf die auslachenden Afrikaner. Doch den Frust hat er anschließend an einer Wasserflasche ausgelassen und am Abend beim Reis und Bananen Essen war die Welt wieder in Ordnung.

Es ist nach wie vor schwer zu verstehen. Auf der einen Seite total liebevoll, superfreundlich. Heute hat mir ein gerade mal 3-jähriges Mädchen geholfen Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen, während sie dabei noch ihren schreienden Babybruder auf dem Rücken hatte.

Wenn du jemand Süßigkeiten gibst, teilen die Kids das sofort mit ihren Freunden.

Und wenn ein Kind hinfällt und sich wirklich weh tut, wird es ausgelacht!

Am Abend war ich noch mit Audrey und Friedbert im Dorf, um zu sehen, wie die Kinder leben. Mein Lieblingshaus war eine einfache Lehmhütte mit einer Fernsehantenne. Dann waren wir noch mit einem Mädchen im Dorfladen, natürlich ohne Strom, im Dunkeln Seife kaufe, die hier von der Stange geschnitten wird. Und Coca Cola gibt es natürlich auch hier im ärmsten Dorf. Lauwarm eben!

Fazit: Wie schon gesagt: Obama hat Recht. ?Yes we can!?

Samstag, 18.04.09
Hier kommt die Braut

Heute sind wir alle von meinem Freund Stephen zur Hochzeit eingeladen. Vor einem Jahr hat er mir Bilder von Judith gezeigt und seitdem schreiben wir uns jede Woche Emails, wo die Details dieses Tages immer wieder vorkommen. Wie viele Kühe wird die Braut kosten? Was ist das richtige Datum? Das Budget sprengt alle Vorstellungen! Was jetzt?

Und jetzt ist der Tag da. Um 12:00 soll es losgehen. Dann um 13:00! Wir erreichen die Kirche um 14:00, ich war noch nie eine Stunde zu spät zu einer Hochzeit! Aber es probt zwar ein Gospelchor, trotzdem sind kaum Gäste da. Ein Anruf bestätigt, wir sind bei der richtigen Kirche. Es gibt das Gerücht, dass die Brüder der Braut immer noch nicht mit dem Brautpreis einverstanden sind und den Start boykottieren. Genaueres kriegen wir nicht mit, als warten wir! Gegen 15:30 fahren tatsächlich ein paar Busse vor und es kann losgehen. ?Sehr kurz seien afrikanische Hochzeiten, sagt mir eine Kollegin von Stephen, die mich freundlich begrüßt! Nie länger als eine Stunde!?

Irgendwann kurz vor 18:00 Uhr, haben wir dann eine super schöne Hochzeit erlebt, komplett mit acht Brautjungfern und sechs Blumenmädels, alle chic in passenden, grünen Kleidchen. Die Braut sieht natürlich super aus. Der größte Unterschied zu anderen Hochzeiten, die ich erlebt habe, ist, dass hier nicht langsam nach vorne marschiert, sondern von Standort zu Standort getanzt wird. Alles schon sehr cool!

Sogar die bösen Brüder, es gab ein weiteres Gerücht, dass sie bis zuletzt damit gedroht haben, Judith an einen Reicheren zu verkaufen, haben sehr positive Reden gehalten.

Ich selber habe eine spannende Episode auf dem Weg zur anschließenden Feier. Ich suche nach einer Bankmaschine, für das Hochzeitsgeschenk. Hier fast unmöglich! Und finde mein Auto nicht wieder und wandere, ohne Handy oder Geld in der Tasche, blöde Ugandische Bankmaschinen, eine knappe halbe Stunde, als einziger Weißer, durch Kampala, bevor ich Pastor Moses, meinen Sitznachbar im Auto entdecke und er mir den Weg zum Auto zeigt.

Während der anschließenden Feier, die natürlich viel zu spät anfängt, sitze ich im Halbdunkeln hinter dem Brautpaar. Es werden, ohne Unterbrechung Reden gehalten, denen keiner zuhört, weil wir auch gleichzeitig essen, Reis und Salat, mit den Händen und Geschenke überreichen. Totales Gewusel aber das stört hier keinen.

Lukas und mein persönlicher Höhepunkt ist, als unser Freund Joseph und seinw beiden Jungs uns in ihr kleines Haus einladen. 2 Quadratmeter Ziegelsteine und Beton. Zwei Betten, zwei Stühle und dazwischen ein Vorhang und natürlich Josephs Gitarre. ?Wenn meine drei anderen Kids und meine Frau es sich leisten könnten zu kommen, würde das schon irgendwie passen!? sagt er. ?Aber leider sind unsere Schülerzahlen runter und die Gehälter können nicht immer bezahlt werden!? Außerdem ist er krank. Irgendetwas mit der Lunge macht ihm seid einem Jahr zu schaffen.

?Erzähl mal deine Geschichte, Joseph!?

?Meine Eltern sind früh gestorben aber man hat mich im Dorf gemocht. Also haben sie mich mit 14 verheiratet; einfach Geld zusammengeschmissen.

Irgendwann haben meine Frau und ich uns entschieden, dass ich auf Lehrer studieren sollte. Wir hatten kein Geld aber ich konnte gut singen, sah gut aus und immer gut angezogen, da hat man mich umsonst mitmachen lassen! Das war mein Geheimnis!? ?Kann ich irgendwie helfen?? ?Matratzen wären schön!?

Irgendwann kommt Lukas Freund Gottfried und sagt uns, dass unsere Gruppe schon im VW Bus sitzt. Joseph führt uns durch die Dunkelheit zurück zur Party. Ich darf die Brautleute noch mal umarmen, ein paar Kinder in den Arm nehmen und fahre mit so einer Mischung aus zufriedenen und sentimentalen Gefühlen nach Hause!

Fazit: Wie würde ich damit umgehen, wenn meine Frau Angst haben müsste, dass ihre Geschwister sie an einen Reicheren Wegverkaufen? Wäre ich auch so höflich, wenn es dann doch zur Hochzeit kommt? Eher nicht!

Irgendwie ist es so einfach und gleichzeitig so schwer etwas zu verändern! Die schwerste Frage ist immer, wo fängt man an und wo hört man auf? Und dann ist da immer das Gefühl, dass es total schön ist zu helfen. Es gibt nichts besseres, es ist aber auch nie genug! Und das ist unglaublich schwer!

19.04.2009
Jan Fehring – Du musst Dich entscheiden

Lange habe ich darueber nachgedacht, welchen Titel ich dieser Predigt von Jan Fehring geben sollte – schliesslich soll das gut ueberlegt sein. Ich haette die Entscheidung ja auch auf morgen verschieben koennen. Oder ich haette erst eine Umfrage machen koennen, um das nicht alleine entscheiden zu muessen. Dann koennten Sie aber jetzt keine Podcast-Predigt hoeren – also habe ich mich entschieden. Der Titel haette uebrigens auch “Kaffee oder Schokoriegel” sein koennen …

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