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Freitag, 28. März
Die Stärken und Schwächen der Ugandischen Schule
Mit einem Rumpfteam waren wir heute noch mal in Kazub i. Am morgen ist für mich Musikunterricht an der Elementary School (1-7. Klasse), also mit den Kleinen angesagt. Der Rektor begrüßt mich und Audrey herzlich und erzählt, dass wir dem Schulchor etwas beibringen sollen. Nach jedem Lied frage ich, ob wir Zeit für noch eins haben, bis mir irgendwann erzählt wird, dass eigentlich erwartet wird, dass wir die knapp drei Stunden bis zum Mittagessen komplett gestallten. So läuft die Vorbereitung hier eigentlich immer. Wer unflexibel ist, der geht hier unter!
Dann erleben wir d die Stärke der Ugandischen Schule. Mensch können diese Kids hier auswendig lernen. Ohne irgendwelche Beamer oder Liedzettel und ganz ohne Computer oder Soundanlage haben die Kids nach drei Stunden zehn neue Lieder komplett drauf, inklusive Text, Bewegungen, Tanzeinlagen. Das kann im Westen keiner mehr. Ganz zu schweigen von der Begeisterung, der Disziplin, der Lebensfreude, die immer wieder rüberkommt. Und wenn du auch noch ausdrucksstark Geschichten erzählen kannst und Spaß hast, dann hast du hier gewonnen.
Am Ende kriegen wir zur Belohnung noch einmal drei Chorlieder vorgesungen und vorgetanzt und sinken erschöpft in unsere Mittagsstühle.
Dann etwas ganz anderes! Ich habe gefragt, ob ich am Nachmittag, in der Highschool, bei den Großen, ein Leadership und Teamwork stunde gestallten darf. Irgendwann erfahre ich dass in einer riesigen Halle, in der nebenbei auch noch gestrichen wird schon zwei Klassengänge seid 20 Minuten geduldig auf mich warten. Geduldig Warten ist hier auch gefragt. Wer das nicht lernt, kriegt einen Herzinfarkt.
Hier wird mir wenigstens gleich zu Beginn gesagt, dass ich die nächsten 2 Œ Stunden dran bin. Also hab ich eine knappe Minute, um mich darauf einzustellen. Hier muss ich also nicht ganz so flexibel sein. Was dann folgt ist spannend. Ich erkläre den Schülern, dass Kopfwissen wichtig aber eben nicht alles ist und Dinge, wie Teamwork, Kreativität, Delegieren durchaus wertvoll sind, wenn sie Uganda verantwortlich verbessern wollen.
Dann kreiere ich Probleme, die sie gemeinschaftlich und so kreativ, wie möglich gelöst werden müssen. Und dann erfahre ich die Grenzen des Ugandischen Schulsystems, dass eben hauptsächlich auf Nachmachen und Auswendiglernen ausgerichtet ist. Gruppen von je 12 Schülern sollen mit so wenig Bodenkontakte, wie möglich auskommen. Die erste Gruppe hat die Schnapsidee, alle bei einem Kollegen gleichzeitig auf den Fuß zu steigen und fallen dabei um. Anscheinend nicht die beste Idee.
Die nächste Gruppe kopiert das Ganze und fällt auch um, und so weiter und so weiter. Kopieren – Eins, Kreativität – Sechs, Setzen!
Nach ganz vielen Aktionen kommen wir doch noch zu unterschiedlichen Ansatzmöglichkeiten aber gut, dass den Afrikanischen Schülern nach all dem Schwärmen doch mal ein bisschen die Grenzen gezeigt worden sind.
Ich werde von den Schülern übrigens immer Master Frank genannt! Cool, werde ich jetzt zu Hause auch mal von meinen Kindern einführen.
Noch ein paar interessante subjektive Fakten, die mir aufgefallen sind:
- Du siehst hier überall die Arbeit von kleineren Hilfswerken. Von den großen siehst du überhaupt nichts. Mir wird erklärt, dass die eben mit korrupten Politikern zusammenarbeiten müssen.
- Ich meckere oft über die Nutzlosigkeit von Kirchen und Christen, die sich hauptsächlich, um sich selber drehen und unterhalten und bedient werden wollen. Ich glaub ich darf das, weil ich selber einer von denen bin! Hier sieht man überraschend viel richtig gute Arbeit von den christlichen Kirchen. Macht einen dann doch stolz dazuzugehören!
- Es gibt in ganz Kampala kein vernünftiges Toilettensystem. 200 Familien (die haben hier oft 10 Kinder) benutzen durchschnittlich ein Loch. Keiner hat eine Antwort, wie man das Problem lösen kann! Mein Bruder Holger ist Klempnermeister, vielleicht weiß der ja was?
Frage des Tages: Wir haben heute diskutiert, welche Impfungen ich alle vergessen habe. Dabei ist mit eingefallen, dass ich gestern rund 500 dreckige Hände geschüttelt habe. Zur Erinnerung: Nase popeln ist hier höfflich! Dann hab ich ohne die Hände zu waschen Afrikanische Erdnüsse gegessen. Welche Impfung habe ich jetzt vergessen und was für eine Krankheit sollte ich jetzt theoretisch bekommen?
Mittwoch, Donnerstag, 26.& 27. März
Das Dorf
Unsere 7 Stundentour, um in einem Dorf, mitten im Urwald, ein Dach auf eine Kirche zu setzten fällt voll ins Wasser. Es hatte alles so schön angefangen, nettes Essen im Dunkeln, was wäre ein Afrikanischer Abend ohne Reis und Bohnen, gute Gespräche, zwei Stunden Whiskey trinken mit Jeff, dem Schotten und Thomas im Zelt und dann fängt der Regen an und unsere Zelte schwimmen weg, in der braunen Soße der mal Lehmboden war. Dazu noch zwei freundliche Kakerlaken und die Nacht ist hin.
Am nächsten Morgen machen wir noch ein bisschen Musik in der anliegenden Schule. Die Schule ist ein Gemeinschaftsprojekt vom Kinderhilfswerk Global Care, mit denen wir zusammenarbeiten und Compassion International.
947 Schüler, verteilt auf SIEBEN Klassen. Die Jüngeren sitzen auf dem Steinboden.
Unsere erste Klasse (3) besteht aus 212 Schülern, in einem Raum der kleiner ist als ein typischer Klassenraum in Deutschland. Direkt daneben noch die 4. Klasse mit 196 Schülern, nur durch eine halbhohe Mauer getrennt. Wir versuchen also 400 Schülern, die alle kein Englisch können, durch unseren Übersetzer, gleichzeitig etwas beizubringen, während der Regen auf das Blechdach trommelt.
Nach dem Mittagessen entscheiden wir uns einen Bus vorzeitig nach Hause zu schicken; der Regen hört einfach nicht auf. Unsere Handwerker bleiben und hauen tapfer die Dachplatten auf die Kirche, während wir 12 anderen uns in den Kleinbus zwängen, um morgen an der Kazubi Schule noch ein paar Dinge zu machen.
14 Stunden Fahrt für ein paar Stunden im Dorf. Trotzdem viele interessante Eindrücke:
- Als wir ins Dorf laufen werden wir, wie eigentlich immer, von Kindern begleitet. Audrey hat ein paar Luftballons dabei und als wir die aufblasen und in die Menge schmeißen, haben gerade die Jungs einen Heidenspaß die Dinger zum platzen zu bringen. Ich weiß nicht genau warum aber ich drücke einem kleinen Mädchen, dass mir die Hände entgegenstreckt, einen rosa Ballon in die Hand, und als die Jungs ihn wegnehmen wollen nehme ich die Kleine in den Arm. Jetzt hält sie den ganzen Rückweg über fest meine Hand und ich scheine einen ganz guten Bodyguard abzugeben.
- Wir staunen immer wieder über Verhaltensweisen, die wir nicht einordnen können. Ältere Schüler laufen mit Ruten hinter kleineren Kindern hinterher, hauen sie, um sie in die Klassen zu treiben!
- Es ist nicht unüblich, dass Kinder die ohne Schuhe zur Schule kommen, dafür geprügelt werden!
- Selbst kleine Kinder sind die Härte gewöhnt und weinen kaum!
- Ich versuche ein Mädchen dazu zu bringen, mir beizubringen, wie man Dinge auf dem Kopf balanciert, so wie es hier fast alle Mädchen können. Sie kann es kaum fassen, wie ungeschickt ich mich anstelle. Balancieren ist voll schwer!
- Wenn mehr als ein Stab aus einer Lehmhütte herausragen, beschreiben die extra Stäbe, die Anzahl von Ehefrauen, des Hüttenbesitzers.
- Auf dem Nachhauseweg kriegen wir dann ein paar Affen vor die Kamera. Immer gut fürs Gemüt, auch bei anhaltendem Regen, der unsere Fahrt zum Abenteuer macht!
Fazit: Ich habe noch ein paar Fragen offen!
23.03.2008
Werner Klein – Liebe gewinnt
Werner Klein mit der Osterpredigt zum Thema “Liebe gewinnt”. Wunschpredigt-Serie 2008.
Dienstag 25. März
Uganda – Deutschland 4:6 n.V.

Der bisher wahrscheinlich emotionalste Tag für unsere Gruppe. Heute heißt es „Good bye“ sagen zu den Schülern und Lehrern der Naomi Froese Schule. Davor geht es aber noch einmal richtig ab. Also der Reihe nach: Ich durfte in insgesamt drei Klassen dabei sein – zweimal als Musiker und dann um mit der 7. Klasse über Sex zu reden. Wie gesagt, konservative Statistiken reden von 25% infizierten Menschen in diesem Land.
Die Leiterin des T.A.P.P. Aids Programms hier, Nora, erzählt die typische Geschichte so. Junges Mädchen liebt ihren Freund und ist prinzipiell treu. Irgendwann kommt aber ein etwas reicherer „Sugardaddy“ an und bietet Kleidung, Essen, o.ä. und bei der Armut ist die Versuchung natürlich riesengroß. Der gute Daddy hat wahrscheinlich schon ein paar Frauen oder Geliebte und evtl. eben den Aidsvirus. Dass alte Männer sich hier junge Mädchen halten, ist durchaus normal und akzeptiert, obwohl die Regierung hier versucht dagegen zu werben.
Steckt er das Mädchen an, wird sie vom Verlobten und Familie verlassen. Ihr Besitz geht an die Familie des Verlobten und sie muss völlig verarmt mit der Krankheit leben und oft scheint der Ausweg in die Prostitution der einzige Ausweg. Und der Virus kreist weiter.
Das größte Problem ist: keiner, besonders nicht die Männer, redet drüber.
So auch die Kinder in meiner Klasse. Auf die frage ob jemand einen kennt, der unter Aids leidet kommt keine Resonanz, obwohl hier einige Aidswaisen in der Klasse sitzen.


Am späten Nachmittag steigt dann das irre Uganda – Deutschland Spiel auf dem neuen Fußballplatz. Zwei Stunden lang gibt es Trommeln, Gitarren, Jubelgesänge, mindestens genau so viele Germany Rufe, wie Uganda Schreie. Nach jeder guten Aktion rennen 100 Kinder auf den Platz. Absoluter Wahnsinn!
Der beste Stürmer des Uganda Teams spielt übrigens nur mit einem Schuh aber mit dem hat er einen richtigen Hammer.
Nach dem Spiel ist nur noch feiern angesagt, wir tanzen, singen, teilen Geschenke aus, tanzen die Polonäse, beten, singen und tanzen wieder. Einfach nur emotional und schön!
Ein paar Höhepunkte für mich: Ein kleiner Junge, Gottfried, rennt mir seit Tagen lächelnd hinterher und erzählt mir, dass er meinen Sohn Lukas lieb gewonnen hat und ich ihn unbedingt grüßen und ihm sagen soll, dass er jeden Tag für ihn betet. Ich hatte Gottfried in der ersten Woche mal bei einer Geschichte nach vorne geholt und er musste darin meinen Sohn Lukas spielen.
Mein Sohn hatte mir sein Podolski Nationalmannschaftstrikot für einen afrikanischen Jungen mitgegeben und heute Abend wird es überreicht.
Irgendwann stehe ich mit meinen Freunden Steven und Joseph Arm in Arm in einer Ecke, alle haben wir Tränen in den Augen und wünschen uns, dass der Moment des Abschiednehmens niemals kommt.
Aber irgendwann sitzen wir dann doch im Auto. Morgen geht es in eins der Dörfer, wo wir ein Dach auf eine Kirche packen sollen. Eventuell treffen wir dort eins der Krokodile wieder, das vor ein paar Wochen einen der Arbeiter gegessen hat.
Frage: Wenn mir jetzt schon jeder Knochen wehtut, was passiert dann morgen erst auf der 6-Stunden Autofahrt über die 387 Schlaglöcher und Bodenwellen?
Montag, 24. März
Weltfußball

Endlich hat es aufgehört zu regnen. Vergesse natürlich gleich mich einzucremen, was man in diesen Gefilden tun sollte und werde es später noch bereuen.
Ziel des Tages: Wir wollen heute ein Fußballfeld einrichten. Einen Platz so gut wie möglich begradigen, entsteinen, entknüppeln und heute soll es tatsächlich klappen ein paar Stahlrohre geschweißt zu bekommen. Wir stecken also ein Feld ab, mit Eckpfeilern und Bändern und sind plötzlich von 50 Kindern umzingelt, die eigentlich schulfrei haben aber unbedingt helfen wollen. Am Nachmittag bricht das erste Spiel aus, noch ohne Tore, keiner kann den Schweißer finden.
Die Schüler spielen ähnlich wie die afrikanischen Teams bei der Weltmeisterschaft: klasse Ballgefühl, jeder versucht von überall das Tor zu treffen, nur Pässe sieht man nicht so häufig. Aber irre Spaß haben wir, weil die Zuschauer nach jeder gelungenen Aktion das Feld stürmen.
Dann kommt irgendwann das Gerücht, dass die 3,20 m weiten Tore innerhalb der nächsten Stunde hier sein sollen. Also los ans Beton mischen, Messen, Löcher buddeln. Und dann warten! War wohl eine afrikanische Stunde.
Mein Freund Steven holt das Bild von seiner Freundin nach dem ich ihn seid Tagen gefragt habe. Nach dicken Komplimenten stelle ich die Frage, wie viele Kühe er denn wahrscheinlich für sie aufbringen muss. „Vier“ werden es wohl schon sein müssen, um den Vater seine Ehrerbietung zu zeigen „und mindestens eine davon muss bis zur Verlobungsfeier gekauft sein!“ So eine Kuh kostet hier übrigens, je nach Güteklasse, 100 bis 200 Euro. Für Steven, der aus richtig armen Verhältnissen kommt und als einziges von sechs Kindern studieren durfte, ein Vermögen. Darf man einem Freund anbieten, ihm eine Kuh für einen „Frauenkauf“ auszugeben?
Kurz vor Dunkelheit tauchen unter lauten Jubelschreien die Tore auf. Und irgendwie schaffen wir es die Dinger voll gerade einzubetonieren. Jetzt liegt es an den Lehrern, dass sich in den nächsten Stunden keine Schüler dran hängen.
Morgen soll nämlich zur Eröffnung des Fußballplatzes offiziell Uganda gegen unser Deutsches Team spielen. Jetzt suchen wir krampfhaft nach Trikots und Hosen und morgen geht hier die Post ab.
Fazit: Wenn es in der Kirche hier schon besser abgeht, als in den meisten deutschen Fußballstadien, was passiert dann erst morgen hier, wenn wir den neuen Fußballplatz einweihen?
Frage: Ich finde die Sitte ja auch fürchterlich sich eine Frau quasi zu kaufen; aber wenn du müsstest, wie viele Kühe würdest du für deine Frau bezahlen?
Ostersonntag, 23. März
Regen

Frage: “Wie lange wird die Fahrt heute ungefähr dauern?”
Afrikanische Antwort: “So knapp 40 Minuten!”
Nach knapp 75 Minuten auf unserer 90-minütigen Fahrt zu einem der drei Gottesdienste in dem Dorf, hat unser Team ein interessantes Erlebnis. Wir werden von einem grimmigen Polizisten angehalten, was hier in Uganda immer ein Erlebnis zu sein scheint. “Wisst ihr welchen Tag wir heute haben?” “Klar, Ostern!” “Was ist denn Ostern passiert?” “Jesus war ist von den Toten auferstanden!” “Stimmt genau! Ihr könnt weiterfahren!”
Was war das denn?
Dann der Gottesdienst auf dem Land. Hier spricht kaum einer Englisch, aber das tut der Verständigung keinen Abbruch. Jesus lebt, Liebe triumphiert über Gewalt und Machtgehabe und das muss ausführlich gefeiert werden. In unserem Fall drei Stunden lang, ein anderes Team war mit fünf dabei! Hier ist Stimmung! Selbst der laute, einsetzende Regen und die damit verbundene Dunkelheit (Elektrizität gibt es hier nicht) kann das bunte Treiben nicht verhindern!
Gegen drei Uhr: Mittagessen bei einem der Pastoren hier. Knapp 40 Leute in seinem kleinen Wohnzimmer bei Ziege und Huhn in Bananenblättern.
Der Regen wird immer dichter, die roten Sandstraßen werden zu Rutschbahnen, die Schlaglöcher werden zu Bächen, aber irgendwie steuert unser Fahrer Moses uns nach Hause. Ich bin einfach nur platt aber bis morgen früh um 9:00 steht nichts auf dem Programm.
Frage: Während ich hier ein bisschen genervt auf dem Sofa liege, prasselt draußen der Regen auf dunklen, undichten Hütten meiner neuen Freunde Joseph und Steven und all der verlassenen aidskranken Frauen und Kinder. Ich frage mich, wie die mit der Nässe und Kälte klarkommen!
Samstag, 22. März
8 Stunden im Musikerhimmel

Heute hatten wir unser Musikseminar mit knapp 60 der besten Musiker aus der Gegend. Rolf, Werner und ich geben einiges an Unterricht aber es gibt drei absolute Highlights.
- Die Freude, die Lautstärke, die Harmonien beim Singen bringen für mich ein Stück Himmel auf die Erde!
- Die Afrikaner haben einen total anderen Musikstil als wir Europäer. In Uganda kennt man z.B. kein Moll. Musik hier ist halt immer fröhlich! Am Nachmittag teilen wir uns in vier Gruppen auf, mit der Aufgabe ein typisch westliches Lied (“I could sing of your love forever” von Delirious) zu “afrikanisieren”. Beim abschließenden Vorführwettbewerb geht die Post ab. Selbst Fehler (und davon gab es kaum welche) werden frenetisch beklatscht und bejubelt. Wir erleben hier nur die Mischung aus afrikanischer und westlicher Musik. Stell dir mal vor, wenn da noch ein paar Nationen dazukommen? Wie im Himmel? Wir haben das ganze übrigens gefilmt und Ausschnitte werden in zwei Wochen im Gottesdienst zu sehen sein.
- Eine Busladung von der Naomi Froese Schule ist übrigens auch dabei. Der kleine Chor, mit dem mein Freund Joseph fast jeden Abend Musik macht und komponiert. Sie sind bei weitem die jüngsten Musiker hier und stolz wie Oskar.
Am Abend Sitze ich mit Rolf und Colleen, der Missionarin hier, zusammen und wir träumen. Was könnten Musikcamps hier bewirken? Viele dieser begabten Topschüler bekommen nach der Schule keine Ausbildung und viele enden selbst dann noch auf der Straße oder werden in die Prostitution gezwungen, erzählt Colleen. Was wäre, wenn wir jedes Jahr eine Handvoll durch ein Universitätsstudium sponsern würden?
Wie könnte es aussehen, gute Jobs zu schaffen? Ein Musikstudio, Übungsräume, Produktion, gute Musik, Podcasts, CDs aus Uganda? Das Können haben sie!
Frage: Wie wird aus Träumen Realität?
Karfreitag, 21. März
Wir waren heute wieder an der Kasubi Highschool. Rolf, Werner und ich haben uns auf das Musikseminar morgen vorbereitet. Zwischendurch haben wir immer wieder die Chance mit den afrikanischen Musikern zu spielen. Wenn meine Frau das liest, wird sie voll neidisch! Sollte sie auch, das war irre.
Bewegender Karfreitaggottesdienst am Nachmittag. Ich weiß gar nicht unbedingt warum aber es ist schon ein tolles Gefühl, als einziger Weißer zwischen ganz vielen afrikanischen Kindern, Brot und Wein, die Symbole, die uns daran erinnern, dass Gott diese Vielfalt von Menschen über alles liebt und für absolut jeden von uns sein Leben gegeben hat.
Diese Gemeinde feiert außerdem die Geschichte aus der Jesusbiographie des Johannes, wo Jesus sich wie ein Sklave hinkniete und seinen Jüngern die Füße gewaschen hat. Wieder diese schöne Idee, dass keiner über einem anderen steht und das Leiten darin besteht, den Menschen um uns herum zu dienen anstatt sie für unseren Vorteil auszunutzen.
Auf einmal rennen hier also ganz viele Kids mit Wasserschüsseln herum und wir waschen uns gegenseitig die Füße und sprechen uns Würde zu. Ungewöhnlich, mir war erst ein bisschen mulmig aber irgendwie sehr schön, symbolhaft und wichtig.
Fazit vom Karfreitag: Jesus hat tatsächlich geglaubt, dass wir alle gleich sind! Hoffentlich lerne ich irgendwann, dass ich nicht doch ein bisschen gleicher bin als so ein paar andere!
Donnerstag, 20. März
Musik

Heute gab es ganz viel Mucke! Wir haben heute die Schule in Kasubi besucht, wo es einiges an Musikvorträgen gab. Kasubi hat nicht nur über 450 Kinder von Kindergarten, bis zur siebten Klasse, sondern dazu auch noch eine Highschool mit 160 Kindern.
Die Hauptperformance kam von dem gleichen Chor, Tanzgruppe, Band, die ab und zu auch in Deutschland Auftritte hat, um Aufmerksamkeit für die Not und eben Lebensfreude und ganz viel musikalisches Talent mitzuteilen.

Der afrikanische Musikstil hat meistens einen Vorsänger, Anheizer, was gerade bei den kleinen immer total witzig ist. Bei der Highschooltruppe in Kasubi heißt der Anheizer Hanson und der könnte es mit jedem Musikprofi in der westlichen Welt aufnehmen. Nach ein paar Minuten rockt, klatscht, tanzt der ganze Saal.
Dazwischen moderne Stammestänze, Gospel – der pure Wahnsinn.
Die meisten Nummern sind von Hanson, einem 19-jährigen Schüler arrangiert. Und immer wieder im Hinterkopf: am Samstag sollen Rolf, Werner und ich u.a. diesen Musikern ein ganztägiges Musikseminar bieten.
Am Nachmittag machen Rolf und ich wieder Musikunterricht und werden vom Direktor als “Quelle der Weisheit über westliche Musik” vorgestellt. Vom Wahrheitsgehalt eher grenzwertig aber unsere Stunden werden immer besser und es macht einfach Spaß mit den Kids zu singen, allen mal eine Gitarre hinzuhalten und den berühmten UmpaChakka-Rhythmus ausprobieren zu lassen.
Nach der Klasse werde ich draußen von Hanson gestoppt. Er war schon zweimal mit seinem Chor in Deutschland und u.a. eben auch in meiner Heimatstadt Bad Segeberg. Er erzählt, wie Musik in ihm entsteht und wie gerne er eines Tages seine Musik zum Beruf machen würde. Und er träumt davon westliche und afrikanische Einflüsse zu mischen. Nach ein paar Minuten denke ich, ich rede hier mit meiner Frau, obwohl die natürlich viel besser aussieht als Hanson. Fast das gleiche Vokabular und die gleiche Begeisterung. Und beide, so erfahre ich hinterher, können kein Mathe.
Ob Hanson übrigens weitermachen kann, wird nicht an seinem Talent oder seiner fehlenden Mathematik sondern vor allem an der fehlenden finanziellen Unterstützung scheitern. Einen Schüler zu sponsern kostet 30 Euro, einen Universitätsstudenten 90.
Und Hanson ist arm. Wie bei fast allen Geschichten hier ist der Vater längst aus dem Bild und er und seine Mutter essen oft einfach nicht. Das Bild des hungernden Künstlers hat hier eine ganz andere Bedeutung.
Am Abend, wie so oft, die Diskussion, wie man am besten helfen könnte. Und wie immer schießen wir Fragen an die Experten vor Ort: Colleen und Tim.
“Wenn wir Hanson ein Auslandsstudium ermöglichen könnten, um seinen Traum zu erfüllen, welche Auswirkungen hätte das auf seine Mutter? Würde er überhaupt in Europa oder Amerika zurechtkommen ohne verheizt zu werden? Würde ein weiterer talentierter Mensch Uganda verloren gehen?”
Es gibt kaum Ideen für die Schüler aus der Highschool innovative Karrieren anzufangen. Eine Idee ist es hier ein Kunstcenter einzurichten, komplett mit Recordingstudio, Übungsräumen usw.
Wo fängt man an?
Jeff und ich haben uns gerade für einen Fußballplatz an der Naomi Froese Schule eingesetzt. Heute an der Schule in Kasubi merken wir, dass es überall an Betten für die Kinder fehlt. Was würden eine Handvoll dieser Dreierbetten kosten, damit jedes Mädchen eins bekommt? Bob, unser Amerikaner, würde gerne jeweils einen Spiegel in die Mädchenzimmer packen.
Etwas ganz besonderes zum Ende des Tages. Ich darf Irene, der Patentochter meiner Schwester Sonja, ihr Geschenk überreichen. Irene war eine der Schulsprecherinnen auf der Naomi Froese Schule, jetzt ist sie hier auf der viel größeren Highschool gerade angekommen und noch total überwältigt. Total schöner Moment, als sie das Oberteil auspackt und ein richtig leises fröhliches Jauchzen herauskommt. Gut ausgesucht, Sonja. War richtig schön hier Patenonkel zu spielen.
Fazit: Selbst wenn man nicht weiß, wo man anfangen soll, wirken unsere kleinen Brote und Fische trotzdem Wunder und verändern irgendwie die Welt!
16.03.2008
Werner Klein – Jesus Freund der Sünder
Werner Klein – Jesus Freund der Sünder. Wunschpredigtserie 2008.
